Samstag, 28. Oktober 2017

Monat II neigt sich dem Ende zu - Rückblick

Grüß Gott!

Wieder mal melde ich mich aus dem tiefen Kärnten. Die letzten Wochen waren bepackt mit Erlebnissen. Ich zähle mal kurz auf: Landeschorwettbewerb in Hamburg, zwei Besuche bei weiteren Freiwilligen in Villach, Wandern am Magdalensberg, Babysitten, Haare färben, mein erster Elternabend, Sand in der Hose,... Die Liste ist lang. Zwischendrin dann noch eine verschleppte Erkältung und Muskelkater vom Balletttraining.

Ganz wichtig ist für mich immer noch der Spaß an der Arbeit. Jeden Tag neue Herausforderungen bewältigen und dabei immer an seine Vorbildfunktion zu denken ist gar nicht so einfach. Es gab natürlich schon Tage, wo ich mir Rat eingeholt habe, wie ich nächstes Mal besser reagieren könnte oder ob mein Handeln in Ordnung ist. Und ich weiß, das wird noch öfter kommen. Meine Grundschuldirektorin hat immer gesagt: "Fehler sind unsere Freunde. Durch sie lernen wir ".
Die Arbeit mit den Kinder ist für mich eine Herzensangelegenheit. In den letzten zwei Monaten hat sich gezeigt, wie viel mir an den Kindern liegt. Verstehen, wie sie ticken und ihr Denken nachvollziehen sind dabei nur wenige Punkte, die mich faszinieren und mich anspornen, am Ball zu bleiben. Sie zu begleiten und, wenn auch nur als FSJlerin, mit ihnen zu arbeiten macht unglaublich viel Spaß und mich glücklich. Denn:
„Kinder sind unsere Zukunft.
Es liegt in unserer Verantwortung, sie auf
ihrem Weg zu begleiten.
Geborgenheit, Anerkennung, Liebe
und bedingungslose Annahme
lassen Kinder zu aufrichtigen Menschen
werden.
Kinder brauchen die Möglichkeit,
wirklich Kind sein zu dürfen.
Ihnen hierfür den nötigen Raum zu geben,
ist unsere Aufgabe."              (Oliver Junker)

Inzwischen hat auch der Herbst ordentlich Einzug gehalten und die dickere Jacke ist morgens zu meinem besten Freund geworden. Teilweise sind es auf dem Weg zum Kindergarten 2-4°C. Brrrr...Kalt. Dafür haben wir, wenn die Kinder in der Mittagsgruppe draußen sind oft noch bis zu 19°C, manchmal sogar 20°C. Ein bisschen komisch ist es dann aber schon, wenn man Schal und Jacke auf dem Heimweg mit sich herumträgt und sie nicht anziehen mag, weil es so warm ist.
Im Garten vom Kindergarten steht ein riesiger Baum, der sich wunderschön verfärbt. Dass die ganzen Blätter dann aber in den Garten fallen und mit Rechen weg gehakt werden müssen, war wohl das Kleingedruckte in dem Vertrag mit dem Herbst. Toll ist es da, dass die Kinder fleißig mithelfen und sich auch neue Spielmöglichkeiten ergeben. Die Favoriten sind: Im Laubcontainer spielen, Blätterkronen und Kränze basteln, in Laubhaufen spielen und Blätter sammeln. Da sind echt schöne dabei. Leider halten sich die leuchtenden Farben ja nicht lange....

 Der Elternabend gehört, zusammen mit dem Landeschorwettbewerb, definitiv in die Kategorie "Das vergesse ich nicht so schnell". Von seinen Eltern erfährt man ja schon ein wenig über die Elternabende der eigenen Schulzeit/Kindergartenzeit. Viel Vortrag, viel organisatorisches und nicht besonders spannend. Ganz anders war mein erster Elternabend.
Nachdem die Eltern eingetrudelt waren, sich begrüßt hatten und die Agenda des Abends erläutert war, wurde gesungen. Am Anfang für mich ein wenig komisch, aber die Stimmung danach war auf jeden Fall ein wenig entspannter. Danach gab es eine Feedbackrunde, eine Gruppenbesprechung und eine kurze Kinderbesprechung und mein absolutes Highlight war, dass die Eltern den Michaelireigen selbst erleben durften. Das Spiel, das wir morgens mit den Kindern gespielt haben, haben nun die Eltern gespielt. Eine interessante Erfahrung. Mit Kostümen ausgestatten konnten die Eltern so einmal genau miterleben, was die Kinder erleben und damit die Berichte zu Hause besser verstehen und sich besser in das Kind hineinversetzen. 

Der Landeschorwettbewerb war ein ganz besonderes Ereignis. Für ein Wochenende bin ich nach Hause geflogen, um mit meinem Chor, dem Jugendchor der Liedertafel Elmshorn, gegen andere Chöre anzutreten. Das Jahr über wurde fleißig geprobt - ein Stück sogar mit dem Komponisten. Als es an dem Sonntag dann soweit war, war die Aufregung groß. Der Auftritt lief gut und unsere Bewertung hat uns auch gefreut. Wir haben uns zwar nicht für den Bundeswettbewerb qualifiziert, aber die geteilte Freude am Singen und die Erfahrung machen das, aus meiner Sicht, wett.
Natürlich habe ich es mir an dem Wochenende nicht nehmen lassen, meine beste Freundin zu überraschen... Ihr überraschtes Gesicht werde ich nicht so schnell vergessen.

Insgesamt war auch der zweite Monat ein Erfolg. Ja, krank sein ist jetzt weniger schön, aber Alles andere gleicht das mindestens aus. Zwischen Alltag und neuen Erfahrungen hat sich eine für mich angenehme Balance eingestellt und ich freue mich schon wahnsinnig auf die kommenden (nur noch) 10 Monate. Wenn ich mich da nicht gerade verrechnet habe...

Da dieser Beitrag eher ein Rückblick ist, wird der nächste wieder volle Kanne informativ. Gibt es etwas, das euch interessiert an der Waldorf Pädagogik? Schreibt mir gern, dann mach ich mich mal schlau. Und es gibt wieder neue Fotos!

Monja

Link: Liedertafel Elmshorn



Samstag, 14. Oktober 2017

Michaelifest oder Ritter rettet Prinzessin

Guten Abend aus dem sonnigen Kärnten!

Heute geht es um ein für mich allgegenwärtiges Thema: Das Michaelifest. Seit dem 29.09. ungefähr "feiern" wir jeden Morgen im Morgenkreis das Michaelifest und die Kinder freuen sich jeden Tag aufs Neue. Zusammen wird gesungen, Musik gemacht und die Geschichte dazu nachgespielt. Die Kinder verkleiden sich und die Michaelikerzen werden angezündet.

Das Michaelifest ist eines der Jahresfeste, die in der Anthroposophie eine große
Rolle spielen. Neben Weihnachten, Johanni und Ostern ist es fest verankert und hat eine große Bedeutung. Es steht Ostern gegenüber und wird auch als umgekehrtes Ostern gesehen: " Das menschliche Gemüt verinnerlicht sich im Laufe der Zeit, und der Mensch braucht zu diesem Feste [Ostern], das ihm vor Augen stellt Tod und Auferstehung des Christus, jenes andere Fest, durch das dem Menschen in verinnerlichter Weise der Jahreslauf erscheint: so dass er zuerst im Jahreslaufe die Auferstehung der Seele finden kann, erst die Seele zur Auferstehung bringen muss, damit sie in würdiger Weise durch die Todespforte gehen kann." (Rudolf Steiner). Wenn die Tage kürzer werden beginnt laut der Anthroposophie die Einatmung der Erde: "Überall hört nun das äußere Wachstum auf und der große Einatmungsprozess der Erde beginnt. Die geistigen Kräfte ziehen sich in die Erde zurück, bis zur höchsten Vergeistigung der Erde an Weihnachten. Ganz offensichtlich treten uns in der herbstlichen Natur Todeskräfte entgegen." (Rudolf Steiner). Der heilige St. Michael soll dabei helfen, diese Todeskräfte, sowie Trägheit, Egoismus und Feigheit zu überwinden. Auch soll er uns dabei unterstützen, das Sommer-Sonnenlicht in uns zu bewahren.

„Der Untergang des Äußeren soll ein Aufgang des Innerseelisch-Geistigen werden“  (R.Steiner).

Die Freiheit aus dem Materiellen und die Kenntnis der geistigen Welt sind ebenfalls Dinge, die Michael uns bringen soll.  Seine wohl größte "Aufgabe" ist es jedoch, uns zu lehren mutig zu sein und immer wieder gegen das Dunkle auf der Erde zu bestehen. Den Kindern wird das oft durch die Michaeligeschichte vermittelt: Ein Drache zerstört die Ernte eines Volkes und nur durch die Hilfe des Sankt Michaels muss sich die Königstochter nicht opfern. Zum Nachlesen der Geschichte findet ihr unten einen Link.


In meiner Gruppe spielen wir diese Geschichte ungefähr nach. Zuerst werden die Rollen verteilt: Der heilige Sankt Michael, die mutigen Ritter, der gefährliche Drache, die schöne Königstochter und die Musiker. Einige Kinder schauen manchmal auch nur zu. Dann heißt es Schwerter umbinden und Drachenkränze aufsetzen.
Beginnen tun wir meist mit einem Umzug durch die Gruppe während wir gemeinsam singen:
 "In Gottes Namen fahren wir, zu Sankt Michael wollen wir! Wir fahren, wir fahren, wir fahren zu Sankt Michael. In Gottes Namen". 
Danach stellen wir uns im Kreis auf und das Spiel beginnt. Die Königstochter sitzt in der Mitte und passend zum Text bewegen wir uns. Gesten und Lieder unterstützen dabei das Verständnis und die Kinder müssen nicht stillstehen. Wenn wir um Michaels Stärke bitten kommt er aus seinem "Himmel" und hält über uns alle sein Schwert. Danach krabbeln die Drachenkinder um die Königstochter und die Ritterkinder laufen im Kreis, wenn ihre Musik ertönt. Zum Schluss wird der Drache "getötet" und die Königstochter befreit. Alle Kinder laufen erneut durch den Raum und es wird nocheinmal das Lied vom Beginn gesungen. Wenn das Fest vorbei ist, wird die Michaelikerze, die am Anfang des Morgenkreises entzündet wurde ausgepustet und die Kinder ziehen ihre Kostüme aus. Anschließend wird die Kerze bei der Jause erneut entzündet.

Den Kindern macht dieses Spiel viel Spaß und nicht selten spielen sie dann ähnliche Geschichten im Garten nochmal. Für uns Erwachsenen ist es ebenfalls eine Freude, die Kinder mit so viel Begeisterung bei etwas zu sehen, auch wenn es manchmal nicht ganz einfach ist, die Ordnung darin aufrechtzuerhalten. Denn auch bei soetwas gibt es Regeln. Ein Spiel abbrechen mussten wir aber noch nicht.


Enden lassen möchte ich diesen Eintrag mit einem wundervollen Spruch, den wir bei jedem Entzünden der Michaelikerzen sagen. Er strahlt für mich Wärme und ein wenig Geborgenheit aus, auch wenn es nur Worte sind. Vielleicht geht es euch ja ähnlich.

 Werden die Tage kurz,
werden die Herzen hell,
über dem Herbste strahlt leuchtend
Sankt Michael.
(Heinz Ritter)

Monja

Link: Michaeligeschichte (Kommt noch)
Link: Christlicher Hintergrund: Die Offenbarung des Johanes 12,7 
Link: Mutgeschichte "Die Königstochter in der Flammenburg"

Fotos sind wie immer im Album 

Montag, 2. Oktober 2017

Ernte-Dank-Fest

Guten Abend aus Österreich!

Wie schnell doch die Zeit vergeht.... Inzwischen ist der erste Monat schon fast um und trotzdem entdecke ich immer noch so viel Neues, dass mir die Zeit davonläuft. Wie auch bei diesem Beitrag...
Eigentlich wollte ich ihn schon längst geschrieben haben... aber wer mich kennt weiß, es kommt zu 80% immer was dazwischen.... nun denn. Auf geht's:

Ernte-Dank-Fest. Klingt erst mal wenig spektakulär. Besonders wenn man nur Mini-Fest-Umzüge kennt und eigentlich schon der Magen nach der leckeren DRK-Erbsensuppe schreit, wenn man daran denkt. Doch dieses Jahr wurde ich eines Besseren belehrt. Es gibt Menschen, die das richtig groß feiern. Und es gibt Eltern, die für so ein Fest freigestellt werden von der Arbeit. Aber dazu später mehr.

Los ging es am 22.09.2017 um 8:00. Der gesamte Kindergarten (beide Standorte) treffen sich am Minimundus um gemeinsam auf das Abenteuer "Ernte und Saat" zu gehen. Mit dabei: Eltern und/oder Großeltern. Für mich überraschend, da ich nicht gedacht hätte, dass man sich für so etwas freistellen lassen kann. Mit 2 Bussen ging es los in Richtung Wurzerhof in St. Veit. Der Hof liegt idyllisch in Hügeln und die Busse mussten schon ein Stück vor dem Hof anhalten, da es keine Wendemöglichkeit gab. Das hatte einen riesen Spaß für die Kinder als Folge: Sie wurden mit dem Traktor abgeholt und zum Feld gebracht. Eltern, Freiwillige und Pädagogen liefen hinterher.

Auf dem Feld ging dann die Arbeit los: Rote Rüben (rote Beete), Karotten und noch anderes Gemüse ernten. Die Kinder waren voll dabei und auch ich konnte mir nicht verkneifen, ein wenig in der Erde zu buddeln. Einmal wieder Kind sein und so. Dabei habe ich die wohl größte rote Rübe zu Tage gefördert die ich jemals gesehen hab. Sie war ungefähr so groß wie mein Kopf...
Nach der Ernte ging es zur Saat. In Reihen aufgestellt liefen die Kinder über das Nachbarfeld und streuten Roggensaat aus. Dabei wurde gesungen und so einige kleine Saathäufchen entstanden.
Bilder sind wie immer in meinem Fotoalbum. Großen Dank an die Eltern, dass ich ihre Kinder fotografieren und die Bilder veröffentlichen darf.

Als die schwere Arbeit getan war trafen sich alle am Hof selber zum gemütlichen Picknick-Buffett, zu dem jeder etwas mitgebracht hatte. Es gab Käse, Kuchen, Trauben, Pflaumen, Schnittchen, Muffins.... die Liste ist lang. Außerdem haben wir Reigen getanzt mit allen Kindern. Dabei haben uns die Wurzerhof-Kindergartenkinder unterstützt. Das gemeinsame Singen und Tanzen war eine echt tolle Erfahrung. Ja, an einigen Stellen war es ein wenig chaotisch, aber insgesamt hat alles funktioniert. Die selbstgebastelten Ernte-Kronen kamen gut an und die Kinder waren entspannt.

Und natürlich gab es dann auf dem Hof auch noch einiges zu entdecken: Kälber, Kühe, Hühner, Schweine, ein Pferd und viele Spielmöglichkeiten luden ein zum Verweilen und als der Bus kam um uns abzuholen sind einige noch geblieben. Auf der Heimfahrt fielen dann die ersten Augen zu und ein geschafftes, aber glückliches Lächeln war überall zu sehen. Einige hatten sich von der Ernte etwas mitgenommen, aber ich wusste nicht so richtig, was ich mit diesem Riesen von roter Rübe anstellen sollte, daher blieb er auf dem Hof. Kurz nach Mittag erreichten wir unseren Startpunkt, das Minimundus.

Da das Wetter so mega schön war entschieden wir vier Mädels uns, die Chance zu nutzen und an den Wörthersee zu laufen. Also Gummistiefel und Hosen wechseln und Attacke. Der See ist wirklich wunderschön und wir haben einige schöne Stellen zum Fotografieren gefunden. Einen Ausflug oder eine Reise an den See ist nur zu empfehlen!

Insgesamt also ein gelungener, ein wenig anstrengender, aber entspannter Tag. Davon können gern noch mehr kommen....

Im nächsten Beitrag wird es dann um das Michaelisfest gehen, das jetzt begonnen hat. Wieder mit Hintergrundinformationen und Steiner-Zitaten.

Hier der Link zu meinen Fotos: https://photos.app.goo.gl/CEsUMp6dX6PlE4Jy2
Hier noch mal der Wurzerhof: http://www.wurzerhof.com/
Und das Minimundus (auch sehr interessant): http://www.minimundus.at/ 


Monja