Heute geht es um ein für mich allgegenwärtiges Thema: Das Michaelifest. Seit dem 29.09. ungefähr "feiern" wir jeden Morgen im Morgenkreis das Michaelifest und die Kinder freuen sich jeden Tag aufs Neue. Zusammen wird gesungen, Musik gemacht und die Geschichte dazu nachgespielt. Die Kinder verkleiden sich und die Michaelikerzen werden angezündet.
Das Michaelifest ist eines der Jahresfeste, die in der Anthroposophie eine große
Rolle spielen. Neben Weihnachten, Johanni und Ostern ist es fest verankert und hat eine große Bedeutung. Es steht Ostern gegenüber und wird auch als umgekehrtes Ostern gesehen: " Das menschliche Gemüt verinnerlicht sich im Laufe der Zeit, und der Mensch braucht zu diesem Feste [Ostern], das ihm vor Augen stellt Tod und Auferstehung des Christus, jenes andere Fest, durch das dem Menschen in verinnerlichter Weise der Jahreslauf erscheint: so dass er zuerst im Jahreslaufe die Auferstehung der Seele finden kann, erst die Seele zur Auferstehung bringen muss, damit sie in würdiger Weise durch die Todespforte gehen kann." (Rudolf Steiner). Wenn die Tage kürzer werden beginnt laut der Anthroposophie die Einatmung der Erde: "Überall hört nun das äußere Wachstum auf und der große Einatmungsprozess der Erde beginnt. Die geistigen Kräfte ziehen sich in die Erde zurück, bis zur höchsten Vergeistigung der Erde an Weihnachten. Ganz offensichtlich treten uns in der herbstlichen Natur Todeskräfte entgegen." (Rudolf Steiner). Der heilige St. Michael soll dabei helfen, diese Todeskräfte, sowie Trägheit, Egoismus und Feigheit zu überwinden. Auch soll er uns dabei unterstützen, das Sommer-Sonnenlicht in uns zu bewahren.
„Der Untergang des Äußeren soll ein Aufgang des Innerseelisch-Geistigen werden“ (R.Steiner).
Die Freiheit aus dem Materiellen und die Kenntnis der geistigen Welt sind ebenfalls Dinge, die Michael uns bringen soll. Seine wohl größte "Aufgabe" ist es jedoch, uns zu lehren mutig zu sein und immer wieder gegen das Dunkle auf der Erde zu bestehen. Den Kindern wird das oft durch die Michaeligeschichte vermittelt: Ein Drache zerstört die Ernte eines Volkes und nur durch die Hilfe des Sankt Michaels muss sich die Königstochter nicht opfern. Zum Nachlesen der Geschichte findet ihr unten einen Link.
In meiner Gruppe spielen wir diese Geschichte ungefähr nach. Zuerst werden die Rollen verteilt: Der heilige Sankt Michael, die mutigen Ritter, der gefährliche Drache, die schöne Königstochter und die Musiker. Einige Kinder schauen manchmal auch nur zu. Dann heißt es Schwerter umbinden und Drachenkränze aufsetzen.
Beginnen tun wir meist mit einem Umzug durch die Gruppe während wir gemeinsam singen:
"In Gottes Namen fahren wir, zu Sankt Michael wollen wir! Wir fahren, wir fahren, wir fahren zu Sankt Michael. In Gottes Namen".Danach stellen wir uns im Kreis auf und das Spiel beginnt. Die Königstochter sitzt in der Mitte und passend zum Text bewegen wir uns. Gesten und Lieder unterstützen dabei das Verständnis und die Kinder müssen nicht stillstehen. Wenn wir um Michaels Stärke bitten kommt er aus seinem "Himmel" und hält über uns alle sein Schwert. Danach krabbeln die Drachenkinder um die Königstochter und die Ritterkinder laufen im Kreis, wenn ihre Musik ertönt. Zum Schluss wird der Drache "getötet" und die Königstochter befreit. Alle Kinder laufen erneut durch den Raum und es wird nocheinmal das Lied vom Beginn gesungen. Wenn das Fest vorbei ist, wird die Michaelikerze, die am Anfang des Morgenkreises entzündet wurde ausgepustet und die Kinder ziehen ihre Kostüme aus. Anschließend wird die Kerze bei der Jause erneut entzündet.
Den Kindern macht dieses Spiel viel Spaß und nicht selten spielen sie dann ähnliche Geschichten im Garten nochmal. Für uns Erwachsenen ist es ebenfalls eine Freude, die Kinder mit so viel Begeisterung bei etwas zu sehen, auch wenn es manchmal nicht ganz einfach ist, die Ordnung darin aufrechtzuerhalten. Denn auch bei soetwas gibt es Regeln. Ein Spiel abbrechen mussten wir aber noch nicht.
Enden lassen möchte ich diesen Eintrag mit einem wundervollen Spruch, den wir bei jedem Entzünden der Michaelikerzen sagen. Er strahlt für mich Wärme und ein wenig Geborgenheit aus, auch wenn es nur Worte sind. Vielleicht geht es euch ja ähnlich.
Werden die Tage kurz,
werden die Herzen hell,
über dem Herbste strahlt leuchtend
Sankt Michael.
(Heinz Ritter)
Monja
Link: Michaeligeschichte (Kommt noch)
Link: Christlicher Hintergrund: Die Offenbarung des Johanes 12,7
Link: Mutgeschichte "Die Königstochter in der Flammenburg"
Fotos sind wie immer im Album
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