Nach der Weihnachtszeit mit den vielen Festen kehrt nun ein wenig Ruhe in den Kindergartenalltag ein. Morgens kann wieder frei gebastelt werden und keiner sucht noch Eltern, die Tannenzweige mitbringen können oder überlegt, wie man am besten Alles unter einen Hut bringen kann.
Und doch birgt auch dieser kalte Monat Anlässe zum Feiern.
Eines dieser "Feste" sind die heiligen drei Könige. Bei uns werden sie mit einem Reigen zelebriert und sie stehen in voller Pracht auf unserem Jahreszeitentisch.
Die Geschichte der drei Könige ist glaube ich allen bekannt:
Es waren einmal drei weise Männer aus dem Morgenland, Caspar, Melchior und Balthasar. Caspar hatte dunkles Haar und seine Haut war dunkel. Melchior war europäischer Herkunft und Balthasar hatte asiatische Züge. Vielleicht kennst du sie bereits als die Heilige Drei Könige.
Eines warmen Abends saßen die Drei zusammen vor ihrer gemeinsamen Hütte. Caspar saß auf einem Stuhl und schnitze aus einem hellen Stück Holz einen kleinen Baum. Dieser hatte einen kräftigen Stamm und viele Blätter. Melchior aß den letzten Rest seiner Suppe und Balthasar beobachtete, wie er es jeden milden Abend gerne tat, die Sterne. Diese funkelten in den unterschiedlichsten Größen.
Plötzlich fiel Balthasar ein besonders großer Stern auf, einen,der normalerweise nicht am Himmel zu sehen war. Er sah sich ihn mit genauester Sorgfalt an und konnte seinen Augen nicht trauen: der Himmelskörper schien immer näher zu kommen. “Seht! Der größte Stern am Himmel, er wird immer größer!”, ruft Balthasar seine Freunde zu sich. Caspar und Melchior hofften darauf, dass vor dem zu Bett gehen noch etwas aufregendes passieren würde und so eilten sie zu ihren Freund, der ein paar Meter von ihnen entfernt auf dem Boden saß und mit seinem rechten Zeigefinger auf den Himmel deutete.
Mittlerweile konnte man statt einem Stern eine Sternschnuppe erkennen die über den Köpfen der Drei zu hängen schien. “Habt keine Angst!”, rief eine Stimme aus dem Nichts und alle kamen zum Stillstand,”Ich verkünde euch eine freudige Nachricht des Herrn. Ein heiliges Kind ist geboren. Sein Name ist Jesus. Folgt den Stern und ihr findet zu ihm.”. Die Stimme verschwand so schnell sie gekommen war und ließ nichts übrig außer Stille.
“Kommt, lasst uns Jesus willkommen heißen!”, fordert Caspar die Anderen auf und so taten sie es auch. Sie nahmen jeweils den kostbarsten Gegenstand mit, den sie besaßen und machten sich mithilfe des Sterns auf dem Weg. Sie gingen und gingen und gingen bis der Stern schließlich über einem Stall stehen blieb und noch heller leuchtete, als davor. Die Heilige Drei Könige betraten diesen mit Ehrfurcht und fanden dort Maria, Josef und das Baby, Jesus, vor.
“Wir sind gekommen um das heilige Kind hier willkommen zu heißen und haben Geschenke mitgebracht”, sagte Caspar und legte Myrrhe unter die Krippe des Kindes. “Ich habe Jesus Weihrauch gebracht. Er soll seine Göttlichkeit symbolisieren.”, setzt Balthasar fort und legt ihn neben die Myrrhe. “Ich bringe mein letztes Gold, weil ich dir zeigen möchte, wie viel du mir wert bist.”, erklärt sich Melchior und legt das Gold ebenfalls unter die Krippe.
Gefeiert werden die drei Könige am 6. Januar. Bei uns wird das durch unser Drei-Königs-Spiel symbolisiert. Das wird über mehrere Wochen gespielt und die Kinder schlüpfen in die verschiedenen Rollen der Könige, Pagen, Tiere, Maria und Joseph und Sterndeuter. Die Geschichte wird ihnen dadurch nahe gebracht, und das Spielen macht den Kindern Spaß. Aus Tischen, Ständern und Stühlen werden die Schlösser gebaut und Requisiten wie Kronen, Ferngläser, Kostüme und Sterne aus Glitzerpappe erwecken das Spiel zum Leben. Ein Skript zu unserem Reigen findet ihr in den Fotos.
Die heiligen drei Könige spielen auch im Waldorfsystem eine große Rolle. Laut Rudolf Steiner waren die drei Weisen aus dem Morgenland, beziehungsweise die Magier aus dem Osten, in einem früheren Leben Schüler des großen Zarathrustra (Zarathustra lehrte, den Gott draußen, den großen Kosmos geistig zu begreifen und geistig zu durchdringen und war der Initiator der urpersischen Kultur), welcher als salomonischer Jesus zu Bethlehem wiedergeboren wurde.
Ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar sind kein Zufall. Caspar steht für "Schatzmeister" (pers. ghaz "Schatz" und bar "verwalten"), Melchior für "König des Lichts" (hebr. melech "König", und or "Licht") und Balthasar kommt aus dem babylonisch-hebräischen und steht für "Baal schütze den König". Überliefert wurden die Namen zuerst im 6. Jahrhundert im Matthäus- Evangelium 2, 1-12. Außerdem symbolisieren die drei Könige die drei Kontinente Asien, Afrika und Europa, sowie die die drei Lebensalter Jugend, Lebensmitte und Greisenalter.
Auch die Opfergaben haben eine tiefere Bedeutung. Gold, Weihrauch und Myrrhe stehen für Weisheit, Schönheut und Güte/Stärke. Rudolf Steiner beschreibt dies in der Gesamtausgabe 117 und setzt die 3 Gaben der drei Tugenden Denken, Fühlen und Wollen gleich, welche als das Beste erkannt werden.
Für dieses Wissen, das man sich durch die Einsaugung der äußeren Geheimnisse zu eigen machen kann, hatte man als Symbole Gold, Weihrauch und Myrrhen: Gold als Symbolum für das Denken, Weihrauch für die Frömmigkeit, für das, was uns als Fühlen durchdringt, und Myrrhen für die Kraft des Wollens. - Rudolf Steiner, GA 117, S.49Die Geburt Jesus wird als Anbruch einer neuen Erdenzeit gesehen und die Übergabe der Gaben als Symbol für die Zusammenfassung all der Tugenden in einem Menschen. Mit dem Feiern der heiligen drei Könige wird damit auch die neue Impulsgabe der Menschheit gefeiert.
Die Dreikönigszeit dauert 40 Tage, vom 25. Dezember an gemessen. Beendet wird sie mit Marä Lichtmeß, einem Fest bei dem zum letzten Mal die Kerze am Tisch angezündet wird. Bei uns beenden wir das Spiel schon Ende Januar, da dann die Faschingszeit beginnt und der Kasperl zu Besuch kommt. Darauf freuen sich die Kinder schon sehr und ich bin gespannt, was ich da für ein Spektakel erleben kann.
In dem Sinne eine gute Nacht!
Monja
Links:
Gesamtausgaben zu ähnlichen Themen:
Gesamtausgabe Rudolf Steiner 98
Gesamtausgabe Rudolf Steiner 114
Gesamtausgabe Rudolf Steiner 117
Zitierte Geschichte der heligen drei Könige
Anthro-Wiki Die heiligen drei Könige
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