Na, wer hatte auch gleich die Melodie vom Kasperle-Theater im Kopf beim Lesen der Überschrift? Bei uns jedenfalls waren die letzten Wochen gefüllt mit Vorfreude, Basteln, und Girlanden aufhängen gefüllt. Die hoffenden Blicke der Kinder auf den Jahreszeitentisch und Fragen wann er denn nun kommt ließen auch meine Erwartungen und Vorfreude in die Höhe schießen. Wenn ihr noch nicht wisst, wen ich meine: Es ist der Kasper. Hier übrigens Kasperl, was ausgesprochen wird wie "Kaschperl". Eine ganz schöne Umstellung, wenn man sonst nur Kasper oder Kasperle kennt....
Dann kam es endlich. Zumindest ein Teil von ihm. Ein großer Beutel mit bunten, glitzernden, großen Tüchern. Tücher zum Verkleiden, Bauen, Spielen und Träumen. Ein paar Tage später kam dann auch der Kasperl. Ruck-Zuck angeflogen in seiner Kiste aus dem Wunderzauberfaschingsland, hing er erst mal in den Baumkronen fest. Maxl, das Eichhörnchen und ein Rabe mussten ihm helfen, wieder loszukommen. Den restlichen Weg in unsere Gruppe hat er ohne Probleme geschafft. Und dann saß er vor uns, durch Gabis Hände zum Leben erweckt ging der Spaß los. Namen verwechseln, Tanzschritte vergessen, seine Kiste "aufräumen" und alles durch die Gegend werfen und unendlich viele Krapfen essen sind einige der Eigenschaften des lustigen Gesellen.
Wir sind mit Musikinstrumente singend durch die Gruppe gezogen und haben gemeinsam den Boogie-Woogie getanzt. Und uns mit Hochdruck auf das Faschingsfest vorbereitet. Kostümideen wurden ausgetauscht und überlegt, wie die Gruppe gestaltet werden könnte. Meine Aufgabe, Girlanden zu basteln mit den Kindern hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn es nicht so einfach war manchmal. Danach habe ich den gesamten Treppenaufgang mit Girlanden geschmückt und auch in der Gruppe hingen viele.
Am Faschingstag selbst wurde gefeiert. Alle kamen in Kostümen und in der Gruppe waren diverse Stationen aufgebaut. Wir hatten Dalmatiner, Spiderman, Ritter, Eisprinzessinen, eine Reiterin, eine Nixe, einen Clown, einen Marienkäfer,... Ich selbst habe mich als bunte Ballerina verkleidet. Das Tutu konnte ich mir leihen und den Rest besitze ich durchs Training. Natürlich mit Spitzenschuhen.
Die Kostüme der Kinder waren echt toll. Detailliert und aufwändig und die Kinder haben sich sichtlich wohlgefühlt. Die Stationen bestanden aus Münzen pressen, Taschen nähen, Armbänder machen und einer Rätselecke, Mannerschnitten angeln, Popcorn machen und einem Geschicklichkeitsparcours. Alles in Allem ein Riesen Spaß. Zum Essen gab es dann Frankfurter (auch bekannt als Wiener Würstchen), Semmeln und Krapfen mit Marillenmarmelade. Sehr lecker.
Natürlich gibt es auch von Rudolf Steiner einige Worte zum Faschingsfest. Im folgenden Beispiel redet er vom alten Rom.
"Also man kann schon sagen, nach dem heutigen Anschauen ist das Faschingsfest im Grunde zwecklos. Aber es hat auch nicht mehr seine ursprüngliche Bedeutung. [...] So daß man sagen kann: Es war der Unterschied der Menschen im alten Rom noch ein sehr, sehr bedeutender. Aber das Bewußtsein, daß man diese oder jene Stellung hat, das sollte wenigstens für einige Tage des Jahres verlorengehen. [...] [E]in paar Tage im Jahr hindurch sollten die Menschen gleich sein, sollte Demokratie herrschen. Das konnte man natürlich nicht so machen, daß die Menschen mit ihren gewöhnlichen Gesichtern kommen, sonst hätte man sie ja erkannt; da mußten sie Masken tragen. Da waren sie dann, was die Masken waren. [...] Die Folge davon war, daß, weil das den Leuten sehr gut gefallen hat, es sich auch erhalten hat. " - Rudolf Steiner GA 353 S. 34Interessanter Weise ist Fasching also "nur" ein Fest des Vergnügens und zum Entspannen der strapazierten Nerven von allen, die in den Gesellschaftsschichten weiter unten standen. Für mich eine Neuheit, denn beim Recherchieren habe ich mehr Hintergrund erwartet. Beim weiteren Stöbern im Internet habe ich einen Vortrag von Eugen Riesterer gefunden. Er beschreibt die Fastnacht im Zusammenhang mit dem Martinsfest und Mariä Lichtmess, und zerpflückt die Worte wunderbar, Hier ein kleiner Ausschnitt:
Diesen kurzen, aber knackigen Beitrag kann ich jedem, der ein wenig Interesse hat empfehlen. Sehr einfach zu lesen und klar und deutlich. Auch der Vortrag von Rudolf Steiner ist zur Abwechslung mal ohne Übersetzer verständlich. Manchmal ist es gar nicht so einfach, herauszufinden was er sagen möchte, da er anscheinend ein Talent für Kettensätze hat. (Mein Deutschlehrer hätte ihn geliebt.)"[...] Es ist die Zeit, in der das äußere Licht am schwächsten ist, in der die „Fast-Nacht" herrscht! Sie beginnt mit dem Martinsfest und reicht bis Mariä Lichtmess, mit dem sie Anfang Februar wiederum endet. Und es leuchtet ein: An Mariä Licht-Mess kann man den Zuwachs an Licht eben schon wieder - messen ... Denn seit der Sonnenwende ist der Tag nun schon um eine Stunde gewachsen. Diese Fast-Nacht dauert tatsächlich eine Jahreszeit lang, denn sie erstreckt sich in genau zwölf Wochen von Sankt Martin zu Mariä Lichtmess, und in der Mitte dieser Jahreszeit liegt das Weihnachtsfest mit dem Beginn der 12 Heiligen Nächte. [...]" - Eugen Riesterer
Aus heidnischer Sicht entspringt Fasching dem Wunsch, mit den Masken und Verkleidungen die bösen Geister und Dämonen zu verjagen, damit der Frühling einkehren kann. Nach und nach hat sich diese Tradition weiterentwickelt, bis wir beim heutigen Fasching angekommen sind. Ein Hintergrund, den ich ebenfalls spannend finde, da er mich ein wenig an Halloween erinnert....ich glaube mich zumindest zu erinnnern, dass man da auch böse Geister vertreiben möchte...
Für die Kinder war das Faschingsfest auf jeden Fall ein großer Spaß. Die Verkleidungen, die Stationen und das Essen wurden mit leuchtenden Augen wahrgenommen. Mich hat vieles an die Faschingsfeste aus meiner Kindheit erinnnert. Ich weiß noch sehr genau, wie ich in meinem Leopardenkleidchen durch den Kindergarten gelaufen bin und dem Kasperle-Theater zugeschaut habe. Einige der Lieder kamen mir auch noch dunkel bekannt vor, und das gemeinsame Singen mit den Kindern macht mir sowieso viel Spaß. Insgesamt also ein gelungener Tag und ein tolles Fest für Alle!
Monja
Links:
Gesamtausgabe Rudolf Steiner Nr. 353
Vortrag von Eugen Riesterer zum Thema: "Die Fünfte Jahreszeit - ist das wirklich Fasching?"
Artikel zum Thema Fasching früher und heute
Bilder folgen wie immer in meinem Fotoalbum, jedoch kann das leider noch ein paar Tage dauern.
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