... oder doch der Stoff aus dem Albträume gemacht werden?
Aber Hallo erst mal.
Heute war ein besonderer Samstag. Einer, den ich nicht so schnell vergessen werde. Denn heute war der Krampuslauf hier in Klagenfurt. Wir Freiwilligen waren natürlich in der ersten Reihe dabei. Was am Ende vielleicht nicht die brillianteste Idee war.
Schon ab 14:00 haben die Vorbereitungen angefangen: Straßen wurden gesperrt und, wie wir am eigenen Leib erfahren durften, sehr wichtige Zäune aufgestellt. Zu dem Zeitpunkt saßen wir aber noch mit unserem Besuch aus Villach bei Kaffee und Kuchen (okay es war Eis) zusammen. Nachdem die Freiwilligen aus Villach wieder nach Hause gefahren, ich meine Wäsche gemacht und wir uns alle gegenseitig die Errungenschaften des "Black Weekend Sales" präsentiert hatten, haben wir uns auf den Weg gemacht zur "Parade des Grauens".
An der Straße und den Zäunen angekommen mussten wir noch gefühlte Ewigkeiten warten. Dann ging es aber los: Die ersten Krampusse und Perchten rückten an.
Kurz zur Erklärung: Der Krampus ist im Brauchtum eine Schreckgestalt in Begleitung des Heiligen Nikolaus. Er ist eine Gestalt des Adventsbrauchtums im Ostalpenraum, im südlichen Bayern und der Oberpfalz, in Österreich, Teilen des Fürstentums Liechtenstein, in Ungarn, Slowenien, der Slowakei, in Tschechien, Südtirol, Welschtirol (Trentino), Teilen des außeralpinen Norditaliens und Teilen Kroatiens. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus bestraft.
Der Krampus ähnelt zudem in der Funktion dem im nord- und westdeutschen Raum bekannten Knecht Ruprecht,
es bestehen aber Unterschiede zwischen beiden Figuren: Während Knecht
Ruprecht einzeln auftritt, treten die Krampusse meist in größeren
Gruppen auf.
Fast jede Gemeinde hat einen Krampusverein, und der Umzug in Klagenfurt ist mit 1,5km Länge der größte Umzug in Österreich. Dementsprechend viele Schreckgestalten sind uns begegnet. Nicht nur ein Mal ist mir mein Herz stehen geblieben oder bin ich quietschend und "Neeeiiinnn!" rufen sprungartig nach hinten gewichen. Denn es ist üblich, dass diese Perchten einem seeeehr nahe kommen. Sie klettern auf die Absperrung, greifen nach den Zuschauern, verschieben die Zäune und klauen Mützen, Handschuhe und zerstören Frisuren. Besonders die erste Reihe ist gefährdet. Alles mit dem Hintergedanken zu erschrecken und zum brav sein aufzurufen, aber nicht ernsthaft zu verletzen. Etwas, das man bei den lebensechten Masken (die ca. 800€ kosten und immer weitergegeben werden) leicht vergisst.
Vorallem, wenn sie einen mit ihren Ruten schlagen. Ich kann versichern, dass das echt wehtut. Die Ruten bestehen aus zusammengebundenen Reisig oder Fell und wenn man nicht aufpasst oder schnell genug ist schlagen sie einem auf die Beine und Füße.
Der ganze Umzug war aufwändig aufgezogen. Die Kostüme ein Traum für jeden, der im Theater arbeitet oder Cosplay macht und jedes noch so kleine Detail saß. Ziemlich gruselig. Besonders auffällig waren die großen Glocken, die die Krampusse auf dem Rücken getragen haben. Groß, schwer und sehr laut, haben sie sich durch die Straßen bewegt. Einige auf Stelzen, andere gebückt und immer in Bewegung. Mit meiner Kamera kam ich manchmal gar nicht hinterher zu fotografieren.
Dass diese "Monster" auch nett sein können habe ich gemerkt, wenn sie extra für mich gepost haben wenn sie die Kamera gesehen haben und ich sogar ein Foto mit einem der gruseligeren Krampusse machen konnte. Bei einigen habe ich mich geweigert sie zu fotografieren, weil sie zu aggressiv mit den Ruten waren und mir die Schläge, die ich bis dahin kassiert hatte, gereicht haben.
Total "niedlich" waren die jungen Krampusse. Auch in Kostümen haben sie ihre Rolle perfekt gespielt und hatten sichtlich Spaß daran. Immer wieder gab es aber auch Momente, die aus dem Bild fielen: Ein Krampus der mit unterm Regenschirm läuft, Umarmungen und Selfies und Krampusse, die sich vor kleinen Kindern hinknien und ihnen freundlich die Hand reichen.
Insgesamt ein sehr aufwühlender, abenteuerlicher, gruseliger, erschreckender, "ein wenig" schmerzhafter Abend. Aber ich hätte es bereut, wenn ich nicht hingegangen wäre. Auch wenn es am Ende geschüttet hat und Alles nass und kalt war. Inzwischen im Warmen, immer noch voll mit Adrenalin kann ich die Glocken draußen noch manchmal hören. Mal sehen, wovon ich heute Nacht träumen werde....
Monja
Wer sich eine Auswahl der knapp 200 Bilder ansehen möchte, findet die spätestens morgen Abend hier: Fotos Fotos Fotos
Der Text über die Krampusse stammt von: Wikipedia (übrigens sehr interessant)
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