Montag, 4. Dezember 2017

Vortrag: Mentale Störungen als Ausdruck der Ängste unserer Zeit

Hallo aus dem verschneiten Österreich!

Hier kommt der Beitrag zu dem Vortrag, den ich vor Wochen besuchen durfte. Inzwischen ist es glaube ich fast ein Monat. Wie gut, dass ich mitgeschrieben habe und solches Wissen nicht so schnell aktualisiert werden kann....

Am 3.11.2017 hat der Anthroposoph und Autor, sowie Lehrer Marcus Schneider im Europahaus in Klagenfurt einen Vortrag zum Thema Mentale Störungen gehalten. Den Aushang dazu habe ich im Kindergarten gesehen und mein Interesse war schnell geweckt. Wer will auch nicht gern wissen wo gewisse mentale Störungen herkommen könnten?
Marcus Schneider ist 1954 geboren und ehemaliger Lehrer der Rudolf Steiner Schule Basel. Außerdem ist er Leiter der Höheren Fachschule Anthroposophische Pädagogik HFAP Dornach und Vorsitzender des Paracelsus-Zweiges in Basel. Mit seinen Vorträgen reist er herum und seine Bücher verkaufen sich gut. Als Redner ist er, wie ich an dem Abend erfahren konnte, ebenfalls talentiert und der Abend war sehr spannend.

Begonnen hat er den Vortrag mit dem Schwellenalter des 3.-4. Jahrsiebt.

In der Anthroposophie wird in Jahrsiebten gesprochen, in denen sich der Leib, die Seele und der Geist entwickeln. Am Ende eines jeden Jahrsiebt findet eine Ich-Geburt statt, die sehr wichtig für die Entwicklung ist, da dort sich das neu "Erworbene" festigt.

Besonders wichtig ist in diesem Schwellenalter die "Anbindung an die Zivilisation". Also seinen Platz zu finden und zu lernen, mit beiden Beinen selbst auf dem Boden zu stehen. Das kann zum Beispiel durch Erinnerungen, Erwartungen, Hemmungen und falsche Hoffnungen behindert werden, was zu emotionalen Differenzen und zum Beginn des Zerfalls der Säulen der Waldorfpädagogik führt und damit zu mentalen Störungen.

Kurz als Hilfe: Die drei Säulen sind Denken, Fühlen, Wollen. Denken bedeutet so viel wie: "was erkenne ich, eigene Ideen und Zusammenhänge", Fühlen steht für " Beziehungen aufbauen, Gefühle und Differenzierung" und das Wollen ist das tätig werden, das schaffen und die physische Begegnung. Im Kindesalter wird in umgekehrter Reihenfolge erlebt, das bedeutet die Kinder fangen beim Wollen an und danach wird erst nachgedacht, während Erwachsene erst denken und dann tun.

Ein Thema, das durch den gesamten Abend geführt hat war das Vergessen.
"Wer nicht verarbeiten kann was er erlebt, kann es nicht vergessen. Und wer nicht vergessen kann, wird krank."
In diesem Fall bedeutet Vergessen nicht "Aus den Augen aus dem Sinn", sondern beschreibt das Verarbeiten von und Einfermentieren/ Einschlafen lassen von ganten Erlebniskomplexen. Das ist nach Schneider sehr wichtig und heilsam. Kenne ich von mir auch: Wenn mich etwas zu sehr beschäftigt, werde ich unruhig und mit Pech auch krank.
Ab diesem Punkt in seiner Rede fing es an wirklich spannend zu werden. Es ging nämlich um verschiedene Krankeiten, deren Symptome und wie das große Ganze zusammenhängt. Beispielsweise das Asperger-Syndrom oder Ritzen/Borderline.

Asperger beschrieb er als einseitige Hochbegabung mit großen sozialen Defiziten, wie fehlender Empathie und der erschwerten Kontaktaufnahme. Für Schneider hängt dieses Sydrom mit einer Störung der Grundsäule und dem nicht vergessen können zusammen. Beispielsweise das schlechte Erfahrungen im (Klein)kindsalter die weitere Entwicklung geprägt haben.

Das Ritzen/Borderline hat er detaillierter betrachtet. Das Bedürfnis, sich zu verletzen stammt demnach aus dem Gefühl, sich selbst nicht mehr zu spüren und dem eingesperrt sein in der eigenen Seele. Der Betroffene sieht den Blutaustritt als Zeichen der eigenen Präsenz, da "der Ausdruck des Ichs [...] Wärme und Blut [ist]". Außerdem kann Blut als Zeichen von Eisen gedeutet werden und damit auf einen Eisenmangel hinweisen. Eine Annahme, die für mich doch etwas weit hergeholt ist. Der Gedanke, sich selbst spüren zu wollen scheint mir aber schlüssig. 

Marcus Schneider sieht den Grund der geistigen Störung dabei in der "Nichtentfaltung des geistlichen Kerns" und hatte passend dazu das Zitat
"Wo der Geist verleugnet wird, wird Blut fließen"
von Rudolf Steiner mit dabei. Das diente auch zur Überleitung ist das Thema Terroranschläge und Blutvergießen. In seinen Augen ist dies ein Hilferuf der Seele, die sich nicht entfalten konnte. Als Lösung schlug er (halb scherzend) vor, den Betroffenen ein Pony zu schenken. Die Tierpädagogik/Tiertherapie sei eine maßgebliche Hilfe bei der Selbstfindung und der sozialen Einbindung und damit dem Anbinden an die Zivilisation, da viel auf ursprünglicher Kommunikation basiert im Umgang mit Tieren. Im gleichen Atemzug erwähnte Eurythmie, welches als Bewegungsfach in der Schule reinigende und beinahe meditative, nach innen gekehrte Absichten hat.

Abschließend ging er noch auf das Thema Glauben ein, da auch dies in der Waldorfpädagogik stark vertreten ist. Vor dem Essen wird ein Spruch gesagt und nach dem Essen bedankt man sich "für Speis und Trank". Neu war mir, dass Religion als Bewegungsfach zählt, da man innerlich bewegt wird.
Sehr lobenswert fand ich, dass er als letzten Satz aufrief, zu hinterfragen und kritisch zu sein. Besonders beim Aspekt Religion.


Das Publikum war gemischt, bestand aber zu großen Teilen aus Lehrer(innen) und Pädagogen/innen. Bei dem ausgestellten Büchertisch habe ich dann noch das Buch "Die Erziehung des Kindes" von Steiner erstanden, auf das ich schon gespannt bin. Von dem Vortrag mitgenommen habe ich den Aspekt des "Nichtentfalten können" und des "Vergessens als Verarbeitung".

Dieser Beitrag war doch ein wenig sehr trocken, daher folgt der Beitrag über das Laternenfest und dann ein Beitrag über den ersten Schnee und unser Adventgärtlein. Passend dazu natürlich dann Fotos. Und ich habe es nicht vergessen, die Michaeligeschichte kommt auch noch, ich bin noch am Suchen nach der Version, die wir gelesen haben.

Aber erst mal einen ruhigen Samstag und morgen einen schönen 1. Advent

Monja

Links:
Marcus Schneider Bücher

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