Der Winter ist nun endgültig in Klagenfurt angekommen und die dicken Pullis kommen zum Einsatz. Bei Minusgraden setze auch ich dann mal meine Mütze auf und ziehe Handschuhe an. Ist sonst doch ein wenig kalt um die Ohren herum. Außerdem habe ich ja eine Vorbildfunktion, und die Kinder sollen ihre Mützen, hier auch Haube oder Kappe genannt, tragen. Auf die Kinder bin ich derweil ziemlich neidisch. Mit ihren warmen Schneeanzügen sind sie draußen vor allem geschützt, was da so vom Himmel fällt. Am Donnerstag war es dann endlich Schnee und nicht mehr dieser eklige halb-Regen-halb-Schnee-oder-doch-lieber-Nebel-Mist. In dichten, dicken weißen Flocken fiel er herunter und beim Jausen am Morgen war schon alles weiß. Natürlich ging es dann sofort in den Garten. Schneemänner bauen stand ganz oben auf der Liste der Kinder. Und natürlich die FSJlerin mit Schnee bewerfen. Blöd nur, wenn die zurück wirft und viel größere Schneebälle machen kann...
Nass und durchgefroren war ich am Ende trotzdem. Das lag aber vielleicht auch ein wenig an dem Schneeengel, den ich gemacht habe. Neben riesigen Schneemännern erwachten übrigens auch ein Schneeeinhorn namens Hörnchen und ein Schneestier zum Leben. Zusammen mit einem Mädchen habe ich auf ihren Wunsch hin mit ihr diese beiden wundervollen Schneegestalten gebaut. Wie sehr ich das doch vermisst habe....
Der Schnee kam aber nicht nur passend zum Spielen draußen, sondern auch zu unserem Adventgärtlein am Freitag. Nachdem die letzten Kinder zum Mittag hin abgeholt waren, begannen die Vorbereitungen: Am Boden des größten Raumes wurde aus Tüchern und Tannenzweigen eine große Spirale gelegt. In einigem Abstand wurden Sterne auf der Spirale verteilt, die am Ende die Standpunkte unserer liebevoll hergerichteten Apfellichter waren. In der Mitte der Spirale und des Raumes stand eine große, mit Sternen verzierte Kerze. Liebevoll dekoriert mit Tannenzweigen und Edelsteinen bildetet sie das Zentrum. An den Wänden waren blaue Tücher mit Sternen aufgehängt und anstatt dem elektrischen Licht gab es nur Teelichter und die große Kerzen in der Mitte. Am äußeren Ende, oder auch dem Anfang/Eingang der Spirale eine Lilie. Ich hab mich natürlich erst mal gelb eingefärbt beim Aufbau...Man sollte einfach nicht an allen Blumen riechen...
Um die Spirale standen die Stühle für die Kinder und einige Sitzgelegenheiten für die Eltern. Auch unser Harfinist hatte seinen eigenen Platz.
Um 16:00 ging es mit unserem Fest los. Zuerst gab es nur eine Ansprache für die Eltern, für die Kinder eine Geschichte. Schließlich zogen wir in einer langen Kette in den dunklen Raum mit der Spirale. Nach den ersten Weihnachtslieder ist das erste Kind in die Spirale gezogen. Zuerst hat es ein Apfellicht bekommen, welches es dann an der großen Kerze in der Mitte entzündet hat und auf einen Stern gestellt hat. Nach und nach zogen alle Kinder in die Spirale, während wir gesungen habe und die Harfe gespielt wurde. Die Atmosphäre war innig, feierlich und ganz ruhig. Mit jedem Apfellicht, das auf seinen Platz in der Spirale gestellt wurde, erleuchtete der Raum immer heller, bis es nach 21 Kerzen so hell war, wie mit den normalen Lampen. Es wurde angenehm warm und es war eine ganz eigene, behagliche Stimmung. Ich mag Kerzenlicht generell sehr gern und dieses Licht mit den Liedern und dem Schnee war eine Atmosphäre und ein Erlebnis, das ich noch lange in Erinnerung behalten habe. Am Ende haben wir die Kinder angezogen, während die Eltern die Kerzen gelöscht und mit nach draußen genommen haben. Draußen wurde dann noch ein Abendlied gesungen - sogar im Kanon - und damit war der Abend offiziell zu Ende.
Danach hat eine weitere Gruppe ihr Adventgärtlein gefeiert und auch das habe ich miterleben können. Ein Kind, das mich sonst eher weniger kennt hat mich sogar gebeten, mit ihm zusammen in die Spirale zu gehen. Eine große Ehre, die mich sehr gefreut hat. Als schlussendlich alle Familien verabschiedet waren, haben wir uns ans Aufräumen und wieder herrichten der Räume gemacht. Schränke schleppen, Bohren, Fegen, Aufbauen,.. alles was da so zugehört war in kürzester Zeit erledigt und gegen 20 Uhr war ich wieder zu Hause.
Der Gedanke des Adventgärtlein stammt aus den 30ern, als Schwester Inge, eine Pädagogin auf dem "Lauenstein" (der ersten anthroposophischen heilpädagogischen Einrichtung) die Idee hatte, mit ihren Kinder die Adventszeit auf eine besondere Weise einzuleiten. Der ursprüngliche Gedanke war, eine kleine Spirale auf einem Tisch zu legen, aber als Rudolf Steiner auf der Weihnachtstagung 1923 davon erfuhr, schlug er vor, die Spirale groß und begehbar auf den Boden zu legen, um das Geschehnis mit dem Leib erlebbar zu machen. Seit dem wird die Adventstzeit vielerorts so eingeleitet.
Das Adventgärtlein bildet im Übrigen eine Abrundung des Kanons der Jahresfeste:
Weihnachten-Johanni, Ostern-Michael, Pfingsten-Adventgärtlein.
Zu Pfingsten schenkt Christus den Jüngern das Licht, sie tragen es in die Welt und erleuchten diese. Beim Adventgärtlein ist dies dann genau umgedreht:
Nur jeder Mensch kann für sich sein Licht am Christuslicht, die Kerze/das Licht in unserer Mitte, entzünden und die Welt erleuchten. Mit Hilfe der Gaben von Sankt Michael (Geisteskraft und Mut), Sankt Martin (Seelenkraft und Wärme), Sankt Nikolaus (Lebenskräfte und Stärke) sind wir stark genug, unser eigenes Licht an der Christuskerze zu entzünden und neu zu beginnen.
Der Apfel dient dabei als Symbol für den Sünden-Apfel (Adam und Eva) und wird von der Lichtkraft und damit der reinen Liebe überstrahlt.
Auch die Spirale hat einen Hintergrund:
Sie ist das Urbild aller Lebensprozesse. Alles, Winter und Sommer, Ein- und Ausatmen, Enge und Weite sind Prozesse ständiger Bewegung und wenn sie den Punkt der Wende erreicht haben und die Umkehr beginnen.
Der Weg in mich selbst, der Enge, darauf ein Moment der Ruhe und die Umkehrung auf den Weg in die Weite der Welt. Die Natur selbst ist gefüllt mit Spiralen, seien es Schneckenhäuschen, Sonnenblumenkerne oder den Wellen am Strand. Auch ist sie in allen Jahrhunderten vertreten und hat in diversen Kulturen und Religionen eine besondere Rolle. Auch in der Kunst und der Architektur findet man sie: der goldene Schnitt und zum Beispiel Hundertwassers Häuser.
Kinder malen zumeist als erstes eine Spirale, auch wenn sie schief und krumm ist. Besonders im Kindergarten kann ich das sehr gut beobachten und ich erinnere mich an ein paar meiner ersten Bilder. Auch die Milchstraße ist eine Spirale.
Hundertwasser sagte einmal über die Spiralen:
Die Spirale liegt genau dort, wo die leblose Materie sich in Leben umwandelt. [...] Unsere Erde beschreibt den Lauf der Spirale. Wir gehen im Kreis, aber wir kommen nie wieder an den Punkt zurück, der Kreis schließt sich nicht, wir kommen nur in die Nähe des Punktes, wo wir gewesen sind. [...]
Die Spirale bedeutet Leben und Tod nach allen Richtungen. Nach außen läuft sie in die Geburt, ins Leben und anschließend durch ein sich scheinbar Auflösen ins zu Große, in außerirdische, nicht mehr meßbare Bereiche.
Nach innen kondensiert sie sich durch Konzentration zum Leben und wird anschließend in unendlich kleinen Regionen wieder etwas, was wir als Tod bezeichnen, weil es sich unserer messenden Wahrnehmung entzieht.
Mit diesen doch etwas tiefgründigeren, besinnlichen Gedanken verabschiede ich mich und wünsche einen angenehmen Abend.
Monja
Link Das Adventgärtlein- die Idee
Link Hundertwasser und die Spiralen
Link Neues Fotos
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